Vortragsreihe "Osnabrücker Ermutigung"

ÖPNV für uns alle?

  • 06.01.2023

In Kurzvorträgen und Diskussion richten wir den Blick auf die sozialen Aspekte eines barrierefreien und erschwinglichen ÖPNV für uns alle. Am 16. Februar 2023 um 18:00 Uhr sprechen dazu im Gewerkschaftshaus Osnabrück: Christoph Aberle M.Sc. (Technische Universität Hamburg), Prof. Dr. Joachim Scheiner (Technische Universität Dortmund) und Reiner Schäl (ver.di Landesbezirk Niedersachsen Bremen, Fachbereich Verkehr).

 

 

ÖPNV für uns alle?

Belastung. Entlastung. Teilhabe.

 

Den Klimawandel einzugrenzen, ist die Menschheitsaufgabe unserer Zeit. Ein wichtiger Baustein ist ein innovatives Mobilitätskonzept, das ohne eine Verlagerung hin zum Öffentlichen Verkehr nicht gelingen kann.

Das im Sommer 2022 vor dem Hintergrund einer nahenden Energiekrise eingeführte 9-Euro-Ticket brachte eine neue Dynamik in die Debatte. Neben umwelt- und klimaschonenden Effekten rückten auch soziale Aspekte in den Mittelpunkt. Wichtig für ein nachhaltiges Konzept ist ein Dreiklang aus öffentlichem Rückhalt, Sozialverträglichkeit und guter Arbeit im ÖPNV.

Hierzu sprechen und diskutieren:

Prof. Dr. Joachim Scheiner (TU Dortmund, Fakultät Raumplanung) informiert über Erkenntnisse zur Nutzung und Akzeptanz des Tickets.

Christoph Aberle M.Sc. (Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik) nimmt auf Grundlage seiner Forschung
die
Perspektive der Armutsbetroffenen in den Blick.

Reiner Schäl (ver.di Landesbezirk Niedersachsen-Bremen) richtet den Blick auf die Arbeitsbedingungen im ÖPNV der Zukunft und fragt nach belastbaren Finanzierungsoptionen für ein Ticket-für-alle.

 

Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 16. Februar 2023 von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr im Gewerkschaftshaus Osnabrück (August-Bebel-Platz 1), Hans Böckler Raum in der 3. Etage, statt. Parkplätze befinden sich hinter dem Gewerkschaftshaus.

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Wir bitten jedoch um vorherige Anmeldung per E-Mail mit vollständigem Namen und dem Betreff "ÖPNV" an: anschult@uni-osnabrueck.de

Wir freuen uns auf Ihre und Eure Teilnahme!

Einladungsflyer

 

Details zu den Referent:innen und ihren Vorträgen:

1)

Prof. Dr. Joachim Scheiner: Akzeptanz und Nutzung des Neun-Euro-Tickets im östlichen Ruhrgebiet

Der Referent: Joachim Scheiner ist - mit dem Fachgebiet Stadtentwicklung - außerplanmäßiger Professor an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund. Dort forscht er im Kontext von Mobilität in Metropolräumen  Verkehrsentwicklung, Gender, Wohnstandortwahl und Sozialer Wandel.

DerVortrag präsentiert Ergebnisse von repräsentativen Haushaltsbefragungen zur Nutzung und Akzeptanz des Neun-Euro-Tickets und den Wirkungen des Angebots auf Verkehrsmittelnutzung und induzierten Verkehr. Die Daten wurden in fünf unterschiedlich strukturierten Untersuchungsgebieten in Dortmund und Schwerte erhoben.

Das Projekt: Das sogenannte Neun-Euro-Ticket bildete vermutlich die größte Tarifinnovation im ÖPNV Deutschlands überhaupt. Für drei Monate (Juni bis August 2022) konnte der ÖPNV für einen Pauschalpreis von neun Euro monatlich in ganz Deutschland genutzt werden. Die TU Dortmund und das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung evaluieren gegenwärtig das Angebot in einem gemeinsamen Projekt. In fünf unterschiedlich strukturierten Untersuchungsgebieten in Dortmund und Schwerte wurde eine repräsentative Haushaltsbefragung zum Neun-Euro-Ticket und zur Verkehrsmittelnutzung insgesamt durchgeführt. Die Gebiete stehen für ein innerstädtisches Gebiet in der Kernstadt Dortmund, je einen Vorort Dortmunds mit und ohne Schienenanbindung sowie je ein Gebiet mit und ohne Schienenanbindung in der suburbanen Kleinstadt Schwerte.

Die Befragung ist als kombinierte Retrospektiv-/Panelbefragung angelegt. In einer ersten Befragung wurden Ende Juli 2022 Verkehrsmittelverfügbarkeit und ?nutzung vor Einführung des Neun-Euro-Tickets und zum Zeitpunkt der Befragung erhoben. Darüber hinaus wurden folgende Themen addressiert: geplante und realisierte Nutzungszwecke des Neun-Euro-Tickets; subjektives Erleben des ÖPNV; alternative Durchführung einzelner Fahrten (ohne Neun-Euro-Ticket); Meinungen zum Neun-Euro-Ticket; Verkehrsmitteleinstellungen; soziodemografische Daten. In einer zweiten Befragung der gleichen Personen Mitte Oktober (nach Auslaufen des Neun-Euro-Tickets) wurden wiederum Verkehrsmittelverfügbarkeit und –nutzung sowie Meinungen zum Neun-Euro-Ticket erfragt. Zudem wurde die Zahlungsbereitschaft für ein Nachfolgeangebot erfragt. Der Vortrag präsentiert ausgewählte Ergebnisse beider Befragungswellen zur Nutzung und Akzeptanz des Neun-Euro-Tickets und den Wirkungen des Angebots auf Verkehrsmittelnutzung und induzierten Verkehr.

Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt von:

Prof. Dr. Joachim Scheiner, Technische Universität Dortmund, Fakultät Raumplanung, Fachgebiet Stadtentwicklung

Prof. Dr. Eva Heinen, Technische Universität Dortmund, Fakultät Raumplanung, Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung

Dr. Thomas Klinger, ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH

2)

Christoph Aberle: Mobilität und Armut

Der Referent: Christoph Aberle verbringt einen großen Teil seines Lebens im Nahverkehr, als Fahrgast und als Verkehrsplaner. Seine Expertise entspinnt sich im Themendreieck Alltagsmobilität, Klimakrise und soziale Gerechtigkeit. Für seine Doktorarbeit befasst er sich mit der Tarif-Erreichbarkeit des hvv und des VBB. Kürzlich befragte er 30 einkommensarme Menschen zum 9-Euro-Ticket – das ihnen enorme Teilhabechancen verschaffte.

Das Projekt: Das 9-Euro-Ticket stellte den Verkehrsalltag auf den Kopf, auch und insbesondere für Einkommensarme: Sie nutzen besonders häufig öffentliche Verkehrsmittel, leiden besonders unter steigenden Preisen – und profitierten besonders vom preiswerten ÖPNV. Im O-Ton einer Teilnehmerin: „Ich kann diese Freiheit kaum in Worte fassen!“
Mit einer qualitativen Befragung von 30 Personen ergänzt das Team um Christoph Aberle die großen Feldstudien zum 9-Euro-Ticket um die Perspektive von Armutsbetroffenen. Ihnen brachte das Ticket eine ungewohnte Erleichterung: Sich sorglos über das Umfeld hinaus bewegen zu können, ist in ihrem Alltag nicht selbstverständlich.

Der Fachvortrag geht Christoph Aberle  darauf ein, wofür Armutsbetroffene im hvv das 9-Euro-Ticket nutzten und welches Potenzial das Deutschland-Ticket ihnen verspricht.

Weitere Informationen auf der Themenseite www.stadtarmmobil.de

3)

Reiner Schäl: Das Ticket für alle aus der Perspektive der Beschäftigten im ÖPNV

Der Referent: Reiner Schäl ist Gewerkschaftssekretär beim ver.di Landesbezirk Niedersachsen-Bremen und zuständig für den Fachbereich B: Verkehr.

Der Vortrag: Die Chancen, mit der Einführung eines günstigen und einfach zu erwerbenden Tickets einen wesentlichen Beitrag zur Mobilitätswende beizutragen und gleichzeitig soziale Teilhabemöglichkeiten durch eine verbesserte Mobilität für Einkommensschwache zu verbessern, sind groß. Für eine nachhaltige und gerechte Umsetzung sind der Angebotsausbau, Investitionen in Personal und die Finanzierbarkeit wichtige Faktoren.


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