In diesem Veranstaltungsarchiv finden Sie die Dokumentation der einzelnen Veranstaltungen zum Thema "Nachhaltige Mobilität". Weiteres Material finden Sie auch unter Materialien/Downloads in der Kategorie Nachhaltige Mobilität.

24. September 2025

Projekt: Sozial-ökologische Transformation. Gemeinsam. Gerecht. Gestalten

AUTONOMES FAHREN IM ÖPNV. SOLIDARISCH UND GERECHT GESTALTEN

 

Was haben autonomes Fahren, Verkehrswende und gute Arbeit miteinander zu tun? Welche Chancen birgt der Einsatz autonom fahrender Fahrzeuge im ÖPNV und vor welchen Herausforderungen stehen wir in diesem Zusammenhang? Diese Fragen möchten wir gemeinsam mit Expert:innen diskutieren.

Digitale Innovationen können eine Wende hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft erleichtern. Das gilt auch für den Anspruch, Klimaneutralität im Verkehrsbereich zu erreichen. Und zwar, indem Prozesse effizienter gestaltet werden können. Gleichzeitig können Folgen anderer gesellschaftlicher Wandlungsprozesse aufgefangen werden. Denken wir nur an den demographischen Wandel. Die geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten Baby-Boomer, beginnen sich aus dem Erwerbsleben zu verabschieden. Dieser Prozess wird in den nächsten Jahren sogar noch an Dynamik gewinnen. Damit einher geht schon jetzt ein zunehmender Arbeits- und Fachkräftebedarf in nahezu allen Branchen und Tätigkeitsfeldern. Hierzu zählen auch Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und Schienenpersonennahverkehr (SPNV) - beides Bereiche, die für eine klimaneutrale Verkehrswende zentral sind. 

Hier kommt das autonome Fahren ins Spiel. Kann die Autonomisierung den ÖPNV stärken, und wenn ja wie? Wo stehen wir diesbezüglich in Deutschland? Was würde die Einführung von autonom gesteuerten Fahrzeugen für die Beschäftigten bedeuten? Worauf müssen bei einer Umstellung geachtet werden, damit Fahrgäste, Beschäftigte und Gesellschaft daraus den größtmöglichen Nutzen ziehen?

Mit diesen Fragen beschäftigten sich Referent:innen und Teilnehmer:innen auf der Veranstaltung des Regionalen Netzwerks Nachhaltige Mobilität Osnabrück im Rahmen der Digitalen Woche. Zunächst informierte der Hauptreferent des Abends, Yannick Thoma von der Agora Verkehrswende, über den technischen und rechtlichen Stand autonomen Fahrens in Deutschland und thematisierte dann die Chancen, aber auch die Herausforderungen für den ÖPNV. Er hielt unter anderem fest, dass eine erfolgreiche Umsetzung einer nachhaltigen Mobilitätswende davon abhänge, ob ein gemeinsames Zielbild eines automatisierten, digitalen und vernetzten Mobilitätssystems der Zukunft etabliert werden könnte. Dazu müsse Deutschland sich auch zu einem Leitmarkt für autonomes Fahren entwickeln. Hierin lägen auch beschäftigungspolitische Effekte. Dringend erforderlich sei ebenfalls der Transfer bereits erlangten Wissens, das mit Ende von Förderlaufzeiten lokaler Modellprojekte bislang zu oft versandete. 

Einen zugespitzteren Blick auf die Effekte autonomen Fahrens auf die Beschäftigten formulierte dann der zweite Referent Reiner Schäl (ver.di Gewerkschaftssekretär). Die Autonomisierung trage ein zweifaches Potential: Studien deuten zwar darauf hin, dass die Autonomisierung des ÖPNV nicht zu einem sinkenden Personalbedarf im ÖPNV insgesamt führen würde, dennoch könne der Prozess zu einer Entspannung der Personalsituation führen: Sich im Zuge der Autonomisierung neu entwickelnde Berufsbilder können auf Grund besserer Arbeitsbedingungen die Attraktivität der Branche für neue Beschäftigte erhöhen. Gleichzeitig müsse aber auch in die Um- und Weiterqualifizierung der bestehenden Belegschaft gedacht werden. Wie auch Yannick Thoma unterstreicht Schäl, dass nicht allein die technischen Möglichkeiten entscheidend sind, ob eine Autonomisierung des ÖPNV gelingen kann, sondern auch die Finanzierung gesichert sein muss. Die chronische Unterfinanzierung der Kommunen und die fragwürdige Prioritätensetzung vergangener und aktueller Bundesregierungen geben hier jedoch zurzeit wenig Hoffnung. Doch: Gerade bei der Autonomisierung des ÖPNV handele es sich um einen Transformationsprozess, der in Betrieben mit starken Mitbestimmungs- und Tariftraditionen von statten gehe. Im Unterschied zu neu entstehenden Branchen haben Beschäftigte und Gewerkschaften die notwendigen Handlungsspielräume, um mitzugestalten. Diese Chance sollten wir dringend ergreifen!

MEHR ZUM THEMA VON DER AGORA VERKEHRSWENDE

PRÄSENTATION REINER SCHÄL

Fotos: Dominik Galik

In Zusammanarbeit mit:

28. November 2024

Projekt: Sozial-ökologische Transformation. Gemeinsam. Gerecht. Gestalten.

OSNABRÜCK SUCHT: MOBIL, NACHHALTIG, SOZIAL FÜR GEMEINSAME VERKEHRSWENDE

Um die Klimaziele zu erreichen, muss im Verkehrsbereich deutlich mehr CO2 eingespart werden als bisher. Hierfür bedarf es einer Trendwende hin zu klimafreundlichen Fort­be­we­gungs­mitteln. Einer stärkeren Nutzung des ÖPNV kommt folglich eine entscheidende Rolle zu. Trotzdem hat der mo­to­risierte Individualverkehr in den letzten Jahren sogar noch zugenommen. Der ÖPNV muss also attrak­ti­ver werden. Unübersichtliche Tarifstrukturen, ungünstige Taktungen, immer häufiger werdende Ver­spä­tungen, übervolle Busse und Bahnen und Fahrtausfälle machen einen halbwegs zuverlässiges An­kom­men – insbesondere zur Arbeitsstätte – aber oft fast unmöglich. Für Osnabrück, so sind sich die circa 35 Teilnehmenden in einem anfänglichen Stimmungsbarometer überwiegend sicher, könnte eine Verbesserung der Qualität aber schon kurzfristig zu einer stärkeren Nutzung des ÖPNV führen.

Mit der Frage, welche schnell umsetzbaren und gleichzeitig hoch effektiven Maßnahmen für eine sol­che Verbesserung sorgen könnten, beschäftigte sich der erste Referent des Abends. Dr. Thorsten Ebert stellte in seinem Vortrag das gemeinsam mit Prof. Dr. Carsten Sommer und Dr. Melanie Herget er­ar­beitete ÖPNV-Sofortprogramm 2025 vor, welches im Auftrag von Greenpeace Deutschland angefertigt wurde. Im Fokus des Gutachtens stand – auch mit Blick auf die gesetzlichen Vorgaben auf EU- und Bundesebene mit engem Zeithorizont – dabei die Effektivität der Maßnahmen, ihre Kosten wurden nachrangig behandelt. Neben Pull-Faktoren (Erhöhung des Angebotsumfangs, Verkürzung der ÖPNV-Reisezeit, attraktive Tarifierung, Verbesserung des Images des ÖPNV u.v.m.), die für Qua­litäts­stei­gerungen im ÖPNV sorgen, bedürfe es zudem auch Push-Faktoren, die die Attraktivität eines pri­va­ten PKW bzw. dessen Nutzung senken würden (z.B. Senkung von zulässigen Höchst­ge­schwin­digkeiten, Wegfall von Kfz-Fahrstreifen, Erhöhung von Parkgebühren, Reduktion von PKW-Stell­flä­chen). Der Um­set­zung steht allerdings vor einigen Herausforderungen. Darunter fallen der hohe Finanzie­rungs­be­darf, die bestehenden Aufgabenträgergrenzen, der restriktive gesetzliche bzw. bürokratischer Rah­men, die bestehenden „autoorientierten Strukturen“ sowie die Personalverfügbarkeit im Fahrdienst und in anderen Bereichen des ÖPNV.

ZUR VORTRAGSPRÄSENTATION(EBERT)

ZUM ÖPNV-SOFORTPROGRAMM

Im folgenden Input ging Reiner Schäl (ver.di-Landesbezirk Weser-Ems) dann aus beschäftigungs- und tarifpolitischer Perspektive auf die ÖPNV- und SPNV-Branche ein, die vor einem jetzt schon enormen und sich in Zukunft noch weiter verschärfendem Personalbedarf stehe (u.a. durch den hohen Anteil der Baby-Boomer im Fahrdienst und eine hohe Fluktuationsrate). Um diese Lücke zu schließen, muss ein Arbeitsplatz im ÖPNV attraktiver werden – auch um die besonderen Herausforderungen, die die Tä­tig­keiten mit sich bringen, aufzufangen (hohe Stressbelastung, Schicht- und Feiertagesarbeit, persönliche Sicherheit). Dafür gibt es viele Stellschrauben: Löhne, flexible Arbeits- und Schichtpläne, Arbeitszeiten, Urlaubsansprüche, Hygienesituation). Die zerklüftete Tariflandschaft (viele Haustarife, viele AG ohne Tarifvertrag) erschweren dies jedoch enorm.

ZUR INPUTPRÄSENTATION (SCHÄL)

Schließlich berichtete Gregor Ilsemann (Betriebsrat SWO Mobil GmbH) von der Situation im Osna­brücker Fahrdienst. Auch hier stehe man vor der Herausforderung, ausreichend Personal zu gewinnen. Betriebsrat und Geschäftsführung agieren hier teils gemeinsam – z.B. durch das Werben für die Arbeit im ÖPNV an Schulen/Berufsschulen. Es gibt aber auch Positives zu berichten: Im Unterschied zu vielen anderen Regionen sei es in Osnabrück inzwischen gelungen, nahezu alle Osnabrücker ÖPNV-Be­schäf­tigten in einen Tarifvertrag und Arbeitgeber zu überführen.

In der abschließenden Diskussion waren sich Publikum und Referenten einig: Eine Mobilitäts­wende ist nicht allein durch Investitionen in Technik möglich, sondern bedarf einer echten Wende bei den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im ÖPNV.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des gemeinsam vom Netzwerk der Kooperationsstellen Hochschulen und Gewerkschaften in Niedersachsen und Bremen und der Niedersachsen Allianz für Nachhaltigkeit (NAN)getragenen Projektes "Sozial-ökologische Transformation. Gemeinsam. Gerecht. Gestalten"statt.

 

28. Februar 2024

Projekt: Sozial-ökologische Transformation. Gemeinsam. Gerecht. Gestalten.

NACHHALTIGE MOBILITÄT: WAS KÖNNEN WIR IN OSNABRÜCK VON EUROPA LERNEN?

Etwa 70 klima- und umweltinteressierte Osnabrücker:innen besuchten die Veranstaltung im Haus der Jugend, um die Frage zu diskutieren, ob und was Osnabrück auf dem Gebiet "nachhaltiger Verkehrsplanung" von anderen europäischen Städten lernen können. Die Veranstaltung fand im Rahmen des gemeinsam vom  Netzwerk der Kooperationsstellen Hochschulen und Gewerkschaften in Niedersachsen und Bremen und der Niedersachsen Allianz für Nachhaltigkeit (NAN) getragenen Projektes "Sozial-ökologische Transformation. Gemeinsam. Gerecht. Gestalten"statt.

Im Vorfeld der Veranstaltung haben wir eine kleine Umfrage unter den Angemeldeten zum Thema "Verkehrssituation in Osnabrück" durchgeführt.

ZU DEN ERGEBNISSEN

 

Zunächst hörten die Teilnehmer:innen einen Vortrag von Dipl. Geografin Martina Hertel vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin (difu), in dem sie europäische Beispiele für eine gute Praxis nachhaltiger Mobilitätsplanung vorstellte. Frau Hertel wählte dabei drei der zehn in der difu-Studie untersuchten Städte aus, die auf Grund ähnlicher Rahmenbedingunen zumindest in Teilen für Osnabrück anschlussfähig werden: Ljubljana (Slowenien), Vitoria Gasteiz (Spanien) und Leuven (Belgien).

ZUR VORTRAGSPRÄSENTATION

ZUR STUDIE

 

Moderiert von Benjamin Sadler (Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit, Diakonie Stiftung Salem) diskutierte dann ein Podium aus lokalen Verkehrsakteuren (Stadtbaurat der Stadt Osnabrück Frank Otte und Geschäftsführer der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück Werner Linnenbrink) und Expert:innen aus Wissenschaft (Prof. Dr. Wolfgang Seyfert, Hochschule Osnabrück) und Arbeitswelt (Andreas Schackert, ver.di Bundesfachgruppenleiter Bus und Bahn). Thematisiert wurden dabei die Herausforderungen, vor denen Osnabrück aktuell steht, die Übertragbarkeit der vorgestellten Konzepte bzw. Einzelmaßnahmen und die Rahmenbedingunen für eine gute und nachhaltige Verkehrsinfrastruktur. Alle Diskutant:innen stimmten überein, dass einem funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Klimaziele im Verkehrssektor zukomme. Dafür müssten aber die entsprechenden finanizellen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden. Wie in den meisten Städten leiden die Verkehrsbetriebe in Osnabrück an einem verherrendem Personalmangel, der die Zuverlässigkeit und Qualität des Osnabrücker ÖPNV erheblich (negativ) beeinflusst. Es herrscht zunehmende Unzufriedenheit in der Stadt. Dieser Situation müsse entgegen gewirkt werden, so Schackert, und zwar durch bessere Arbeitsbedingungen, die sich nicht allein am Lohnzettel ablesen ließen. Die anspruchsvollen Arbeitszeiten der Fahrdienstbeschäftigten verlangen nach Entlastung. Schließlich stehen die Nahverkehrsunternehmen im Wettbewerb um die dringend benötigten Fachkräfte auch in Konkurrenz mit anderen Branchen wie z.B. der Speditionsbranche. Eine Gelegenheit die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, bietet sich gerade im Rahmen der Tarifverhandlungen im Nahverkehr.

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